So geht die Chemiestadt Basel mit Giftmüll um

Basel hält sich mit der Sanierung verschmutzter Böden noch zurück. Anders im Wallis: Die Altlast Pont Rouge in Monthey wurde offensiv saniert. Ein Vergleich.

Das Wichtigste in Kürze
- Basel hält sich mit der Sanierung verschmutzter Böden noch zurück.
- Anders sieht es hinsichtlich des Umgangs mit Giftmüll im Wallis aus.
- Die Altlast Pont Rouge in Monthey wurde offensiv saniert.
Basel soll bekanntlich anders ticken. Was aber nicht bedeutet, dass andere alles falsch machen. So sind sich Fachleute einig, dass die Walliser die Altlast Pont Rouge in Monthey vorbildlich saniert haben.
BASF und Syngenta haben die Kosten von 120 Millionen Franken für die Gesamtsanierung vollumfänglich übernommen. Die beiden Chemie-Unternehmen hatten zwischen 1957 und 1979 giftigen Chemiemüll an dieser Stelle im Unterwallis entsorgt.
Das Gebiet sei nun «mit seinen Fuss- und Radwegen bei Erholungssuchenden aus der ganzen Region beliebt» und biete Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, schrieb das Bundesamt für Umwelt im August 2022.

An der Altlastenkonferenz des Vereins Zukunft.Klybeck schlug Martin Forter vor, die Vorgehensweise des Kantons Basel-Stadt mit jener des Kantons Wallis zu vergleichen.
Wie gehen das Wallis und Basel-Stadt bei der Sanierung verschmutzter Böden vor? OnlineReports hat beim Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) in Basel-Stadt und beim Service de l’environnement (SEN) im Wallis nachgefragt.
Diskussionslos
Die Prioritäten für die Untersuchung der Standorte im Wallis wurden bereits 2001 festgelegt – Pont Rouge erhielt das Etikett «erste Priorität».
SEN-Sprecherin Evelyne Verdon sagt zum Standort Monthey: «Die Einwirkungen auf die Grundwasserqualität waren so gross, dass die Notwendigkeit der Sanierung keine Diskussionen auslöste.» Die Suche nach Schadstoffen sei auf der Grundlage der historischen Untersuchungen erfolgt, die für diese Deponie, aber auch für den gesamten Chemiestandort durchgeführt worden seien.
Für Pont Rouge wurde also zuerst abgeklärt, welche Substanzen sich im Boden befinden könnten, um anschliessend nach diesen zu suchen. Die Massnahmen auf der Baustelle zum Schutz von Arbeitern und Umwelt, die Entsorgung der Abfälle in den thermischen Desorptionsanlagen in Holland und Deutschland und schliesslich die Behandlung der sekundären Belastung, die bis tief in dem Grundwasserleiter vorgedrungen war, seien die wichtigsten Herausforderungen gewesen, erklärt Verdon.
Mehrere Tausend verschiedene Stoffe
In Basel weist man indessen auf die 100-jährige Geschichte des Industrieareals Klybeck hin. Deswegen befänden sich auf dem gesamten Areal mehrere Tausend verschiedene Stoffe im Boden, sagt WSU-Sprecherin Sonja Körkel.
Dies gehe auch aus den zahlreichen Untersuchungsberichten hervor, die seit den 1990er-Jahren freiwillig oder im Auftrag der Behörden für das Klybeck erstellt worden seien.

Das Amt für Umwelt und Energie (AUE) richtet sich nach der Altlastenverordnung des Bundes. Diese sehe eine Suche nach einzelnen Stoffen nicht vor, sagt Körkel. Im Sinne eines Screenings fasst man chemische Stoffe oder Verbindungen, die als einfach zu erfassende Messgrösse stellvertretend für eine Vielzahl von Schadstoffen gemessen werden, zusammen. Diese sollen Aufschluss darüber geben, welche Stoffe vorhanden sind und in welcher Konzentration.
Erst bei positivem Befund würden weitere Untersuchungen durchgeführt, um problematische Einzelstoffe zu identifizieren und deren Quellen zu ermitteln, so Körkel über die Basler Strategie.
Gesamte Sondermülldeponie ausgehoben
Das Wallis ging bis dato ganz anders vor. Der gesamte auf der Sondermülldeponie Pont Rouge abgelagerte Abfall wurde in einer Einhausung unter Unterdruck ausgehoben – mit dem darunter liegenden, stark belasteten Untergrund.
Das Material wurde noch in der Einhausung in Container verladen. Insgesamt wurden 187'000 Tonnen Abfälle und belastetes Material in thermische Behandlungsanlagen transportiert (Zementwerk 22 Prozent, thermische Desorption 73 Prozent und Hochtemperatur 5 Prozent).
Doch das Wallis ging noch weiter. Der Kanton sanierte die Belastung, die unter einem Teil der sanierten Zone lag, durch thermische Behandlung direkt vor Ort. Einerseits wurden die Temperaturen im Untergrund erhöht, um Schadstoffe zu mobilisieren, die dann durch Flüssigkeitsentzug entfernt werden konnten. Andererseits eliminierte man Schadstoffe durch Dampfinjektion in der gesättigten Zone, ergänzt durch eine verstärkte Extraktion.
Gemäss Evelyne Verdon erfolgte diese Behandlung von 20'000 Kubikmetern Untergrund über 200 Brunnen zur Dampfinjektion oder Dampfextraktion sowie über Heizspitzen. Die Oberfläche des Geländes sei mit einer Drainageschicht und einer luftdichten Abdeckung versehen worden, um die mobilisierten flüchtigen Schadstoffe zu sammeln.
Das unter der Deponie fliessende Grundwasser sei stets abgepumpt und behandelt worden. «Der Aushub war in diesem Fall die optimale Sanierungsvariante», sagt Verdon.
«Überwachungsbedürftig»
Weil das Klybeck-Areal grösstenteils versiegelt ist, stelle es im heutigen Zustand keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit dar, sagt Körkel. Sanierungsbedürftig sei einzig die Chlorbenzol-Altlast auf dem Areal 3, wo die Arbeiten bereits geplant sind.
Die WSU-Sprecherin räumt aber ein: «Wegen der hohen Bodenbelastung ist jedoch ein grosser Teil des Areals gemäss Altlastenverordnung überwachungsbedürftig. Die entsprechenden Überwachungsmassnahmen laufen seit Jahren und werden vom AUE überwacht.»
Wie die Basler Zeitung berichtete, hat der zuständige Basler Regierungsrat, Kaspar Sutter, im Mai 2024 in einer Sitzung des Grossen Rats «beiläufig» offenbart, dass in drei der fünfzehn gewonnen Grundwasserproben auf dem Klybeck-Areal die Eigentümer das krebserregende Benzidin nachgewiesen hätten.

Bevor überhaupt gebaut werden dürfe, müsse die Bauherrschaft eine Reihe von Berichten vorlegen, unter anderem eine baubegleitende Gefährdungsabschätzung, ein Aushub- und Entsorgungskonzept sowie ein Arbeitssicherheitskonzept, erklärt Körkel.
Weiter müsse der Untergrund vor Baubeginn genau untersucht werden, um notwendige Massnahmen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit zu treffen und eine fachgerechte Entsorgung des Aushubmaterials zu gewährleisten. Ähnliche Bauarbeiten laufen aktuell auf dem nahen ehemaligen Industrieareal «Rosental Mitte».
Der Kanton Wallis legt Wert darauf, dass die Auskünfte von Yves Degoumois, dem Adjunkten der Chefin der Dienststelle für Umwelt, stammen.
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Hinweis: Dieser Artikel von Autor Daniel Aenishänslin wurde zuerst im Basler Newsportal «OnlineReports» publiziert.