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    Von Blue zum FC Basel: Andreas Böni wechselt die Seiten

    Lui Eigenmann
    Lui Eigenmann

    Basel,

    Andreas Böni wechselt vom Journalismus zum FC Basel. Im Interview spricht er über Dave Degen, Hate auf Social Media und seinen Respekt vor dem Seitenwechsel.

    Von Blue zum FC Basel: Andreas Böni wechselt die Seiten
    Von Blue zum FC Basel: Andreas Böni wechselt die Seiten. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Andreas Böni wechselt nach 25 Jahren im Journalismus zum FC Basel.
    • Den FCB-Besitzer Dave Degen kennt der Ostschweizer seit 2006.
    • Nach seinem Wechsel erlebt Böni auf Social Media heftigen Gegenwind.

    Redaktion: Andreas Böni, von Wilen nach Basel, vom Journalisten zum Klubmanager: Was reizt Sie an diesem Wechsel am meisten – und vor was haben Sie am meisten Respekt?

    Andreas Böni: Ich habe 25 Jahre lang als Journalist gearbeitet: Als Praktikant, Volontär, Redaktor, als Fussballchef, als stellvertretender Chefredaktor und als Chefredaktor bei Sport Bild, Blick und blue Sport.

    Ich habe also grosse Medienmarken als Lehrling wie als Chef gesehen. Deswegen war es für mich reizvoll, nun auch den grössten Sportclub der Schweiz von der anderen Seite zu erleben.

    Respekt habe ich vor dem Seitenwechsel. «Unterschätzen Sie das nicht», sagte mir Bayerns Legende Markus Hörwick, der den FC Hollywood medial über Jahre prägte. Ich bin froh, dass ich solch erfahrene Menschen im Kontaktnetz habe und um Rat fragen kann.

    Redaktion: Man weiss, dass Sie Dave Degen schon lange gut kennen. War es für ihn einfacher, Sie zu überzeugen?

    Böni: Es ist ein Grundvertrauen zwischen uns da. Wir lernten uns 2006 kennen, als er bei Gladbach spielte und ich als Sport-Bild-Reporter den Klub betreute. Wir verbrachten viel Zeit zusammen, auch bei ihm Zuhause.

    Ich bin überzeugt, dass wir menschlich respektvoll miteinander umgehen. Er war mit ein Grund, zu diesem sehr emotionalen und tollen Klub zu gehen. Der zweite war, dass die Klubbesitzer mich als Vertrauensperson holen wollten. Dies sind neben Degen Ursula und Andreas Rey-Krayer sowie Jörg und Lukas Duschmalé.

    Ich versuche die Besitzer mit meiner Erfahrung und den Kontakten im Fussball in Kommunikationsthemen bestmöglich zu beraten und zu unterstützen. Was ich aber nicht bin, ist ein CEO.

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    Beim FC Basel soll Andreas Böni (zweiter von links) die Klubbesitzer in Kommunikationsfragen beraten. - Instagram /@fcbasel1893

    Redaktion: Sie haben den Schweizer Fussball über 25 Jahre von aussen begleitet. Was sieht man als Journalist, das man innerhalb eines Klubs plötzlich ganz anders sieht?

    Böni: Ich weiss es noch nicht genau, weil ich bis spätestens Ende März bei blue Sport unter Vertrag stehe und erst dann tief eintauchen werde. Ich hoffe, es hilft, dass ich als Journalist meine Gespräche mit Vereinsverantwortlichen zu 99 Prozent off the record, also jeweils vertraulich, geführt habe. Ich wusste so oft, wie es im Klub aussieht und meinen Gesprächspartnern geht, und schrieb manchmal erst Monate später darüber.

    Gut informiert zu sein, war mir immer wichtiger als die schnelle Schlagzeile. Ein Sportchef sagte mir beispielsweise mal, dass er unter Burnout, Abgeschlagenheit und der Struktur im Klub leidet – ich schrieb es nie, aber wusste ziemlich genau, was ihn auch den Verein wirklich beschäftigte. Wie es sich dann in der Mitte eines Vereins anfühlt, weiss ich vielleicht in einem oder zwei Jahren.

    Redaktion: Sie waren oft derjenige, der unbequeme Fragen gestellt hat. Wie fühlt es sich an, künftig auf der anderen Seite zu sitzen und selbst Antworten geben zu müssen?

    Böni: Schon ein wenig komisch. Es hilft mir sicher, dass ich auch rund um mein Buch viele Interviews gab und schon in Dutzenden TV-Sendungen sass, unter anderem dreimal im Doppelpass. Das war die grösste Herausforderung.

    Du weisst: Rund eine Million Menschen schaut zu und du musst mit Hochdeutsch eine «Fremdsprache» sprechen, während du mit all den rhetorisch hervorragenden deutschen Experten in der Runde sitzt. Mehr Anspannung geht kaum. Es waren wichtige Learnings, die mir hoffentlich helfen.

    Redaktion: Gab es einen Moment in Ihrer journalistischen Karriere, bei dem Sie im Nachhinein sagen: «So würde ich heute nicht mehr darüber schreiben»?

    Böni: Solche Momente gibt es einige, weil sich auch die Zeiten geändert haben – in vielem zum Guten. Ich kann mich an eine Story erinnern, als Gladbach für Trainer Jupp Heynckes einen Assistenten namens Jos Luhukay anstellte. Ich mutmasste, dass Luhukay bald Heynckes ersetzen könnte.

    Der Blattmacher fand ein Foto, wie Heynckes Flaschen über den Platz schleppte und schrieb darüber: «Der grosse Heynckes zum Wasserträger degradiert.» Das war despektierlich und würde ich nicht mehr zulassen, auch wenn Luhukay Heynckes tatsächlich ersetzte.

    Redaktion: Sie werden beim FC Basel unter anderem für die Kommunikation verantwortlich sein. Wie ehrlich darf Klubkommunikation sein, wenn eine Wahrheit dem Klub schaden könnte?

    Böni: Das ist eine Frage, die ich in einem Jahr hoffe beantworten zu können. Grundsätzlich bin ich für Authentizität und gute vertrauliche Zusammenarbeit mit jeglichen Stakeholdern. Aber auch da will ich erst viel lernen.

    Redaktion: Als langjähriger Sportjourni wissen Sie, das man auch auf Kontakte und Quellen in den Klubs angewiesen ist. Wissen Sie schon jetzt, welche Lecks Sie rund ums Joggeli schliessen müssen?

    Böni: Ich glaube, ein FC Basel darf auch ein wenig Hollywood sein, das macht die Faszination des Klubs auch aus. Betrachten wir allein ein Fussballteam: Man hat 25 Spieler, jeder hat einen Berater, dazu kommen Eltern, Geschwister, ein paar Cousins und Freunde im Umfeld, die alle Dinge mitbekommen. Kann man da jedes Leck kontrollieren?

    Unmöglich. Aber man kann versuchen, bestmöglich damit umzugehen, wenn etwas herauskommt.

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    Als Journalist interviewte Andreas Böni an der WM auch Fifa-Präsident Gianni Infantino. - Instagram /@andreas.boeni

    Redaktion: Sie selbst erleben auf Social Media derzeit heftigen Gegenwind und teilweise persönlichen Hate. Was macht das mit Ihnen?

    Böni: Ich bin ja nicht nur die Journalistenfigur Böni, sondern auch Ehemann, Vater, Sohn, Bruder oder Freund. Daher: Ja, es war nicht angenehm, zumal ich mich in einer bereits anspruchsvollen Situation befand. Ich musste ja meiner Chefin Claudia Lässer und meinen Mitarbeitern – die ich sehr mag – sagen, dass ich gehe, obwohl ich mich unglaublich wohl fühle.

    Die Situation im Gesamten brauchte daher Kraft. Aber nun ist es zwei Wochen her und ich freue mich, Dinge anzupacken.

    Redaktion: Wo ziehen Sie die Grenze zwischen harter Kritik, die man aushalten muss, und Hate, den man nicht mehr akzeptieren sollte?

    Böni: Es gehört dazu, sich aufzuregen über Personalentscheide, das macht die Faszination eines Fussballklubs aus. Zu weit geht Kritik, wenn sie auf den Menschen zielt. Ich bin in meiner beruflichen Vergangenheit an die Grenze gegangen und habe Klubs, auch den FCB, kritisiert.

    Aber es ist auch so, wie meine verstorbene Grossmutter immer sagte: «Wes Brot ich es, des Lied ich sing.» Ich setzte mich immer voll für meine Arbeitgeber ein. Ob bei Sport Bild, beim Blick oder jetzt bei blue Sport.

    Ich werde dann ab nächstem Jahr alles für den FCB geben.

    Ist der Wechsel von Andreas Böni zum FC Basel eine gute Idee?

    Redaktion: Sie kennen Social Media aus der Perspektive des Journalisten. Wie sehr hat Social Media den Sportjournalismus Ihrer Meinung nach verändert – und vielleicht auch verschlechtert?

    Böni: Ich bin im Grundsatz begeistert von Social Media, weil es Kreativität und Inhalt bringt. Kritisch sehe ich die mögliche Abhängigkeit gerade für Kinder und junge Menschen. Und dass jeder seinen Frust als Eimer voll Häme über andere ausschütten kann, manchmal noch unter dem Deckmantel der Anonymität, ist problematisch.

    Ein Freund sagte mir zuletzt: «Man muss die Leute ernst nehmen, die das Telefon in die Hand nehmen und einem Dinge direkt ins Gesicht sagen. Alles andere bringt dich nicht weiter.» Ich denke, er hat recht. Sie wechseln nun selbst in ein Umfeld, das auf Social Media permanent beobachtet und kommentiert wird.

    Redaktion: Werden Sie künftig anders auf Journalisten und deren Schlagzeilen schauen?

    Böni: Ich hoffe, dass ich als Mensch derselbe bleibe und mit den Einflüssen umgehen kann. Der FC Basel hat eine Geschichte, aber auch Erwartungen.

    Redaktion: Was ist schwieriger: eine gute Geschichte über einen Klub zu erzählen oder eine schlechte Geschichte kommunikativ auszuhalten?

    Böni: Gute Geschichten über den FC Basel zu erzählen, ist einfach. Mir wird es ein Anliegen sein, vermehrt die Geschichte und die Legenden ins Zentrum zu setzen.

    Sie haben sich in die Geschichtsbücher ein- getragen und in schönen Momenten der Vergangenheit zu schwelgen, finde ich auch privat grossartig. Zweiteres wird auch passieren und da bin ich sehr froh, dass ich mit Remo Meister und Simon Walter, die den Klub jahrelang als Basler Kommunikations- und Medienverantwortliche prägen, neben einem Content-Team an meiner Seite habe. Sie haben sich in Ihrem Buch «Mensch Fussballstar» auch mit Tabus beschäftigt.

    Redaktion: Welches Tabu im Schweizer Fussball würden Sie heute noch gerne aufbrechen?

    Böni: Es wird gerade im Männerfussball weiter selten offen über Themen wie Homosexualität oder Depression und Schwäche gesprochen. Ich fände es grundsätzlich schön, wenn sich das ändert.

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    Sein letztes Spiel vor der Natipause verliert der FC Basel gegen den FC St.Gallen. - keystone

    Redaktion: Sie wohnen in der Region Wil, genauer in Wilen und arbeiten künftig in der Stadt Basel. Was bleibt vom Andreas Böni übrig, wenn er morgens durch die Tür des FC Basel geht – und was soll in Basel in den nächsten Jahren neu entstehen?

    Böni: Ich werde meine Herkunft nie leugnen.

    Ich bin ein Toggenburger und Ostschweizer. Einer, über den die Fans des FC Basel hoffentlich irgendwann sagen: Er hat sich mit seiner Arbeit voll für den Klub eingesetzt und uns weitergebracht.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

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    Kommentare

    User #3477 (nicht angemeldet)

    Passt zum Träumer Degen und wenn man sieht wie der FCB weiter abstürzt (zZ 0:2 bei Vaduz)? Macht das nur traurig!

    User #5487 (nicht angemeldet)

    Einer der sich immer über den FC Basel lustig machte, arbeitet jetzt beim FCB das sagt alles über den Charakter vom Selbstdarstellungen Böni aus

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