Kirchenhistoriker mit Blick auf Life Sciences wird Uni Basel führen

Der designierte Rektor Martin Wallraff sieht die Life Sciences in Kombination mit der humanistischen Tradition der Universität Basel als grosse Chance. Dieser Wissenschaftszweig liege ihm sehr am Herzen, sagte der Kirchenhistoriker einen Tag nach seiner Wahl zum künftigen Rektor.

In seiner Familie gebe es mehrere Naturwissenschaftler. Mit diesem Denksystem sei er daher ebenfalls vertraut, sagte Wallraff am Freitag vor den Medien.
Ralph Ubl, Vorsitzender der Regenz, hob das fakultätsübergreifende Denken ebenfalls hervor. Wallraff habe die Wissenschaft als Ganzes im Blick. Zudem wisse er durch seine Arbeiten in mehreren Ländern, wie die moderne Forschung zu leiten sei.
Insgesamt gingen 34 Bewerbungen aus unterschiedlichen Fachrichtungen für die Nachfolge von Andrea Schenker-Wicki ein. Fünf davon kamen in die engere Auswahl. Die Regenz sei überzeugt, dass Wallraff die Uni Basel «souverän» und mit einer «sicheren Zukunftsvision» führen werde, sagte Ubl.
Konkrete Massnahmen zur Zukunft der Uni werde er nach Amtsantritt im August 2027 bekanntgeben, sagte Wallraff. Angesprochen von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf die Sparmassnahmen beim Bund in der Forschung, sagte Wallraff, dass er damit rechne, dass der Gegenwind für die Universität stärker werde.
Proaktiver Umgang mit KI
Auch finde er es unglücklich, dass die Frage der Finanzierung durch die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft polarisierend sei. Dabei könne die Uni mit ihren 566 Jahren einen guten Leistungsausweis vorlegen.
Was die künstliche Intelligenz in der Lehre und Forschung anbelangt, sehe er darin nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. Die Uni solle nicht nur Bestehendes verteidigen, sondern proaktiv handeln.
«Ich bin ein externer und gleichzeitig gewissermassen ein interner Kandidat», sagte der 60-jährige Kirchenhistoriker weiter. Er lehrt und forscht an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, war jedoch zwischen 2005 und 2016 Professor in Basel. Dabei organisierte er 2010 die Ausstellung zum 550-Jahre-Jubiläum mit den Trouvaillen aus der Schatzkammer der Uni Basel. «Dieser Institution habe ich viel zu verdanken und daher möchte ich nun etwas zurückgeben, sagte Wallraff.
Die Ökonomin Andrea Schenker-Wicki amtiert seit 2015 als Rektorin in der dritten Amtsperiode. Die Regenz lehnte dieses Jahr ein Angebot von ihr ab, ihr Mandat über das Frühjahrssemester 2027 hinaus um zwei Jahre zu verlängern.




