Basler Politik will Nachtfahrverbot für Mähroboter

Dank Mährobotern kann man sich einfach zurücklehnen, und das Gras bleibt niedrig. Doch für einige Igel wird ein solches Gerät zur tödlichen Falle.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine neue Motion im Basler Grossen Rat fordert ein Nachtfahrverbot für Mähroboter.
- So sollen Igel und andere Kleintiere besser geschützt und Unfälle verhindert werden.
- «Pro Natura» und die «Igelhilfe Baselbiet» begrüssen die Forderung. Gleichzeitig brauche es aber auch mehr Sensibilisierung.
- In Bern stellte der Gemeinderat zuletzt infrage, wie gut ein solches Verbot kontrolliert werden könne.
Igel erfreuen sich aufgrund ihrer Possierlichkeit grosser Beliebtheit. Doch das Tier stösst in lokalen Gärten immer häufiger auf eine tödliche Gefahr: die Mähroboter.
Erkennen diese einen Igel nicht, kann es zu einem Zusammentreffen kommen – mit schwerwiegenden, häufig sogar tödlichen Folgen.
Die Basler Politik wird deshalb nun aktiv. Eine Motion fordert ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Urheberin des Vorstosses ist SP-Grossrätin Christine Keller.

Unterzeichnet wurde dieser aber auch von Politikerinnen und Politikern anderer Parteien. Namentlich der GLP, EVP, von BastA, der Mitte, Grünen und LDP.
Tatsächlich gilt der Braunbrustigel gemäss Roter Liste der Säugetiere des Bundesamts für Umwelt (Bafu) als «potenziell gefährdet». Der Kanton Basel-Stadt klassifiziert den Igel als «einheimisches schützenswertes Tier».
In der Motion heisst es aber: «Eine wichtige, bei den getroffenen Massnahmen bisher zu wenig beachtete Gefahrenquelle für Igel sind autonom fahrende Mähroboter.»

Der Verein «pro Igel» empfiehlt bereits auf seiner Webseite, solche Geräte nur tagsüber einzusetzen. Das Tier sei nämlich nachtaktiv. Weiter schreibt die Organisation: «Die Sensoren vieler Mähroboter erkennen Kleintiere wie den Igel nicht zuverlässig.»
Jährlich würden in Igelstationen unzählige verletzte Tiere versorgt. Häufig komme die Hilfe aber bereits zu spät und die Igel könnten nur noch erlöst werden.
Baselbieter Igelhilfe sieht positiven Schritt
Anja Straumann ist die Präsidentin der «Igelhilfe Baselbiet» und leitet deren Station in Gempen SO. Die Bewegung in der Basler Politik bezeichnet sie als «Schritt in die richtige Richtung».
In der Nacht sei die Gefahr tatsächlich viel grösser. Zwar bestehe diese auch am Tag, ein komplettes Verbot sei aber «eine Illusion», so Straumann.
Trotzdem ist ihr der Mähroboter ein Dorn im Auge, auch mit Blick auf die weitere Flora und Fauna in Gärten. «Wenn man so ein Gerät alle zwei Tage laufen lässt, dann ist der Rasen tot. Nichts anderes kann dort mehr wachsen. Für mich ist dieser Roboter keine gute Erfindung, aber wir können es auch nicht ändern, sondern nur appellieren.»

Immerhin bestehe die Hoffnung, dass die Technologie in der Zukunft besser wird. Aufgrund des trockenen, heissen Sommers gab es zuletzt weniger verzeichnete Schnittverletzungen bei Igeln, sagt Straumann. Über längere Zeit betrachtet zeige der Trend aber trotzdem stark nach oben.
Auch sei die Dunkelziffer hoch. Igel würden sich oft bei einer Verletzung verstecken und dann qualvoll verenden. Ebenso ist es laut der Präsidentin nicht immer klar, ob ein Mähroboter verantwortlich ist, oder ein handgesteuertes Gerät. Bei diesen – etwa bei Rasentrimmern – würden Nutzerinnen und Nutzer oftmals gar nicht bemerken, wenn sie ein Tier erwischen.
Hindernisse für Tiere «zu wenig wahrgenommen»
Auch «Pro Natura Basel» begrüsst die Forderung nach einem Nachtfahrverbot. Sabine Rothenbühler, Projektleiterin Stadtnatur, sagt gegenüber Nau.ch: «Zusätzlich braucht es mehr Sensibilisierung für die Gefahren und Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen im Garten.»
In dieser Hinsicht bestehe ein grundsätzliches Problem. Gefahren und Hindernisse würden «generell zu wenig oder gar nicht wahrgenommen, dazu gehört auch der Mähroboter.»
Solche Geräte komplett zu verbannen, hält «Pro Natura» jedoch nicht für erstrebenswert. «Ein generelles Verbot von Mährobotern brächte aus unserer Sicht keine Verbesserung», so Rothenbühler.

Fadenmäher und klassische Rasenmäher seien je nach Einsatz für die Tierwelt sogar schädlicher.
Und was ist mit der automatischen Erkennung von Igeln und anderen Tieren? «Wir glauben nicht, dass neue Technologien das Problem lösen können», erklärt Rothenbühler. Selbst wenn solche funktionieren würden, zerstöre ein Mähroboter dennoch die Lebensgrundlage der allermeisten Gartentiere. «Ein kurz geschnittener englischer Rasen bietet nur den wenigsten Tieren Unterschlupf und Nahrung.»
Sie bläst somit in ein ähnliches Horn wie Anja Straumann von der «Igelhilfe».
«Einfach und verhältnismässig»
Im Vorstoss aus der Basler Politik heisst es weiter: «Ein Nachtfahrverbot ist eine einfache und auf jeden Fall verhältnismässige Präventionsmassnahme.»
Auch andere nachtaktive Kleintiere würden so geschützt. «Für den Schutz der liebenswerten und nützlichen Tiere sollte alles Mögliche und Zumutbare unternommen werden.»
Christine Keller verweist in ihrer Motion auch auf andere Orte. In Köln, Mainz, Leipzig, Stuttgart, Marburg und weiteren deutschen Städten beständen bereits entsprechende Einschränkungen. Auch in Bern und in Riehen BS sei das Ganze schon Thema gewesen.
Der Berner Gemeinderat stellte jedoch zuletzt infrage, ob ein Verbot mit verhältnismässigen Mitteln kontrolliert werden könne.
Jetzt liegt es an der Basler Regierung, aktiv zu werden. Konkret fordert SP-Grossrätin Keller ein Verbot für Mähroboter zwischen 30 Minuten vor Sonnenuntergang und 30 Minuten nach -aufgang.




