Basler Sportanlagen: «Rumeiern, Schubladisieren und Aussitzen»

Die Sportinfrastruktur soll auf Vordermann gebracht werden. Bei Basler Vereinen sorgt ein neues Konzept aber für Unmut. Sie befürchten das Abstellgleis.

Das Wichtigste in Kürze
- Die «Sportanlagenplanung 2026» des Kantons Basel-Stadt wurde am Freitag vorgestellt.
- Vereine wie der RTV Basel sind von diesem jedoch nicht überzeugt.
- Ihr Wunsch nach einer neuen Publikumssporthalle scheint keine hohe Priorität zu haben.
- Ein LDP-Grossrat kann den Frust verstehen.
Am Freitag präsentierte der Kanton Basel-Stadt seine «Strategische Sportanlagenplanung 2026». Aus der in die Jahre gekommenen Kunsteisbahn Margarethen soll eine multifunktionale Sport- und Bewegungsanlage werden. Eislaufen im Winter soll weiter möglich bleiben.
Der Vereins- und Schulsport darf sich über eine neue Eishalle auf der Sportanlage Bachgraben freuen. Rasenflächen sollen deshalb nicht reduziert werden.

Kostenpunkt: Fast 100 Millionen Franken veranschlagt der Regierungsrat für die beiden Projekte – bei einen Fehlerbereich von plus/minus 25 Prozent.
Zusätzlich will der Regierungsrat auch ein neues Hallenbad errichten. Ein passender Standort dafür wird geprüft.
Die Regierung möchte also investieren und modernisieren. Trotzdem kommen die Pläne bei Weitem nicht überall gut an.
Unmut bei Vereinen: «Frustration enorm gross»
Seinem Ärger dazu Luft machte bei «TeleBasel» Chris Stoecklin: «Die Frustration ist enorm gross.»
Stoecklin ist der Geschäftsführer des Handballclubs RTV Basel. Schon seit Jahren warte man auf eine neue, modernere Publikumshalle – vergebens. Und auch jetzt scheint es nicht besser zu werden: Auf der Prioritätenliste des Kantons ist die Publikumshalle ganz unten gelandet, hinter den anderen Projekten.

Weiter sagt er: «So ohne Vorabinfo das präsentiert zu bekommen und für Jahrzehnte aufs Abstellgleis gestellt zu werden, ist absolut inakzeptabel.» Im Vergleich zum Rest der Schweiz werde man weiter ins Hintertreffen geraten. Überall sonst, wo Hallen-Spitzensport betrieben wird, werde investiert, «nur bei uns nicht».
Erziehungsdepartement bezieht Stellung
Auch andere Vereine haben in den Medien Kritik geäussert. Die Regierung kann den Gegenwind verstehen. Die Enttäuschung sei nachvollziehbar, erklärt das Basler Erziehungsdepartement auf Anfrage von Nau.ch.
«Aber der Regierungsrat kann nicht alle grossen Sportprojekte gleichzeitig vornehmen – weder organisatorisch noch finanziell.» Im Bereich der Hochbauten, nicht nur im Sport, stünden in den nächsten Jahren viele Vorhaben an. Man setze zuerst dort an, wo mit einer Investition «möglichst viele Menschen» erreicht würden, heisst es weiter.
Wie wurden Sportvereine bei der Ausarbeitung der Sportanlagenplanung mit einbezogen?
Dazu schreibt das ED: «Die ‹Strategische Sportanlagenplanung 2026› basiert auf dem Sportanlagenkonzept sowie dem Aktionsplan Sport- und Bewegungsförderung aus dem Jahr 2022. Als Grundlage für die Erarbeitung dieser Projekte diente eine Vereins- und Bevölkerungsbefragung, deren Ergebnisse in die Planung eingeflossen sind. Die Priorisierung der Sportgrossprojekte wurde durch den Regierungsrat vorgenommen. Die Sportvereine werden bei der Konzeption der einzelnen Anlagen einbezogen.»
«In diesem Zusammenhang wurde der Neubau einer Publikumssporthalle zeitlich verschoben, jedoch nicht gestrichen.» Betont wird auch, dass Schulsporthallen aktuell geplant oder schon gebaut werden. Diese würden für den Vereinssport nutzbar sein, «womit die bestehenden Publikumssporthallen entlastet werden».
«Wahrscheinlich erhalten wir das Herzstück noch vorher...»
Aus der Politik ist ebenso Unzufriedenheit zu vernehmen. LDP-Grossrat Alex Ebi hat schon vor wenigen Wochen eine Interpellation zu dem Thema eingereicht.
In dieser schreibt er unter anderem: «Hört man sich auf den Sportplätzen in Basel um, wird schnell klar: Die Sportlerinnen und Sportler in Vereinen fühlen sich vom Regierungsrat nicht ernst genommen.»
Gegenüber Nau.ch führt er weiter aus: «Seit Jahrzehnten hat es die Basler Regierung verpasst, dem Sport die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Mit Rumeiern, Schubladisieren und Aussitzen wurde leider auch auf sehr konkrete politische Vorstösse reagiert.»

Das Versäumte würde nun die Regierung einholen. Ein konkretes, neues Konzept sehe er in der präsentierten Sportanlagenplanung nicht. «Wie, wann, wo, für wen, mit welchem Nutzen und wie teuer entzieht sich leider meiner Kenntnis.»
Besonders präzise erscheint Ebi das Ganze nicht. «Bis jetzt habe ich nur erfahren, dass die Trainings-Eishalle mit Priorität 1 nicht vor 2035 eingeweiht werden soll.»
Der LDP-Politiker geht davon aus, dass eine neue Publikumshalle nicht vor 2050 kommt. «Das ist doch kein Konzept, das nur im Ansatz taugt. Wahrscheinlich erhalten wir das Herzstück (unterirdische S-Bahn durch Basel, die Red.) noch vorher...»
Basel kann mit «Weltstädten» nicht mithalten
Alex Ebi fungierte 18 Jahre lang als Präsident des RTV Basel. Der 69-fache Internationale kann den Äusserungen der heutigen Geschäftsführung nur beipflichten: «Ich kann ihren Frust und ihre grosse Enttäuschung sehr gut verstehen.»
Und weiter: «Die ‹Weltstädte› Muri/Gümligen, Winterthur, Schaffhausen, Cham und nun auch Kriens besitzen eine moderne Sportinfrastruktur.» Dem in Anführungsstrichen «finanzschwachen» Basel gelinge es nicht, seinen Sportlerinnen und Sportlern die nötige Aufmerksamkeit und Infrastruktur zu bieten, «unverständlich».
Der Regierung legt er ans Herz, künftig die Anliegen «der sport-affinen Bürgerinnen und Bürger» wirklich ernst zu nehmen. Und nicht nur Argumente zu suchen, warum Projekte nicht möglich seien. Auch einen runden Tisch mit Exponenten und Vereinsvorständen empfiehlt er, um den ganzen Prozess zu begleiten.







