Das sagt Alexandra Leake (JFBS) zur Ernährungsinitiative

Alexandra Leake kritisiert die Ernährungsinitiative und warnt vor staatlicher Bevormundung. In ihrem Gastbeitrag erklärt sie, warum sie die Vorlage ablehnt.

Am 29. November stimmen wir über die Ernährungsinitiative ab, eine Vorlage, die weit tiefer in unseren Alltag eingreifen würde, als ihr Titel vermuten lässt. Gefordert wird ein Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent.
Erreichbar wäre dieses Ziel nur mit massiven staatlichen Eingriffen in unser Konsumverhalten: Die Bevölkerung müsste sich künftig weitgehend pflanzlich und damit faktisch vegan ernähren, mit staatlichen Vorgaben für Produktion, Verarbeitung, Handel und Gastronomie.
Über alle Parteien hinweg ist man sich einig: Die Initiative ist unnötig, unrealistisch und kontraproduktiv. Das eigentliche Problem ist die direkte Bevormundung: Statt Konsumfreiheit entscheidet der Staat, was auf unseren Tellern landet.
Gleichzeitig verlangt die Initiative die Verwendung von samenfestem Saatgut, das würde uns züchtungstechnisch um Jahrzehnte zurückwerfen und die Erträge bei Gemüse, Obst, Getreide und Kartoffeln spürbar senken.

Auch die Versorgungssicherheit leidet: Als topografisch geprägtes Grasland lassen sich weite Teile unserer Flächen in den Alpen, im Jura und im voralpinen Hügelland nur über die Tierhaltung nutzen.
Fallen die Nutztiere weg, verlieren wir diese Flächen für die Lebensmittelproduktion und mit ihnen wertvolle Kulturlandschaften, die verbuschen und verwalden würden. Das gefährdet die Biodiversität in Berg- und Alpgebieten. Auch Mist und Gülle als wichtige Dünger für den Pflanzenbau fielen weg.
Die tieferen Erträge und neuen Auflagen würden Lebensmittel verteuern zulasten einkommensschwacher Haushalte. Gleichzeitig würde der Einkaufstourismus zunehmen, da günstigere tierische Produkte im Ausland weiterhin verfügbar blieben.
Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft und kostet tausende Arbeitsplätze. Auch der Bundesrat lehnt die Initiative ab: Er hält die Forderungen für nicht realisierbar und sieht weitreichende negative Folgen für Produktion und Konsum.
Zudem ist sie schlicht unnötig, denn die ökologische Nachhaltigkeit der Landwirtschaft steht bereits im Fokus zahlreicher laufender Programme, und die nächste Agrarpolitik-Reform verfolgt genau dieses Ziel, ohne staatlichen Zwang.
Es ist zudem nicht das erste Mal, dass ein ähnliches Begehren zur Abstimmung kommt: Bereits 2018 wurde mit der Trinkwasserinitiative ein vergleichbares Anliegen aus demselben Umfeld eingereicht. Das Stimmvolk lehnte es 2021 mit über 60 Prozent ab.
Diese Zwängerei braucht es nicht noch einmal. Wir setzen auf Eigenverantwortung statt staatliche Bevormundung, auf eine funktionierende statt eine künstlich eingeschränkte Landwirtschaft. Darum: NEIN zur Ernährungsinitiative.
Zur Autorin
Alexandra Leake (*2004) ist Präsidentin der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.




