Erni Maissen: «Der FCB spielt Alibi-Fussball»

Nach sieben Wochen Trainer-Ära Lichtsteiner lautet das Fazit von Nau.ch-Kolumnist Erni Maissen: Keine Verbesserung. Und der FCB spielt langweilig.

Das Wichtigste in Kürze
- Erni Maissen vermisst im FCB-Spiel die Begeisterung. «Es ist Alibi-Fussball.»
- Die drei Siege aus vier Spielen kamen alle gegen Teams von unten.
- Dass Degen Lichtsteiner schützt, sei verständlich. Es bleibe ihm nichts anderes übrig.
- «Fakt ist: Besser wurde seit dem Trainer-Wechsel überhaupt nichts.»
Der FCB feiert gegen Servette den dritten Sieg in den letzten vier Spielen. Euphorie? Die will aber einfach nicht aufkommen.
Der langweiligste FCB seit langem
Nicht wenige Fans sagen, dass wir aktuell den langweiligsten FCB seit langem sehen. Im Basel-Spiel gibt es keine Überraschungen, wenig Ideen, kaum Begeisterung auf dem Feld.
So ist es für Zuschauer schwierig, mitzugehen. Es ist über weite Strecken Alibi-Fussball. Der FCB ist froh, wenn nichts passiert und man irgendwann irgendwie ein Tor schiesst.

Das 3:1 gegen Genf dient als gutes Beispiel. In der ersten Halbzeit passiert praktisch nichts. Zwei Chancen, eine für den FCB.
Ich freue mich für Metinho und seinen Doppelpack. Jede Woche wird der Gegner aber nicht mithelfen. Ich habe selten ein so schwaches Servette gesehen.
Basel-Tore sind nicht herausgespielt, sie fallen nach Abprallern. Und dank Geschenken. Dass Rotblau die Schmach von St.Gallen unbedingt auslöschen will, dieses Gefühl hat man nie.
Die Mannschaft hat keinen Stil, sie bringt keine Dominanz auf den Platz. Es ist ein Geplänkel.

Degen-Lob für Lichtsteiner
Trotzdem: Präsident David Degen stärkt Stephan Lichtsteiner den Rücken. «Wir stehen Vollgas hinter Lichtsteiner», sagt der Club-Boss. Was soll er auch anderes sagen.
Er hat den 42-Jährigen im dümmsten Moment hergeholt. Nun sagt Degen, dass Experten im Hinterher immer alles besser wüssten.

Nein, dass Lichtsteiner nicht funktionieren wird, das hat man ahnen können. (Auch Erni Maissen warnte: Hier geht es zur Kolumne «Lichtsteiner ist Greenhorn, nicht Guardiola»)
Es ist verständlich, dass man Lichtsteiner jetzt schützt. Kritisch kann man nicht sein, schliesslich wurde der Ex-Nati-Captain gleich einen Vertrag bis 2029 ausgestattet.

Lichtsteiner soll für Ordnung sorgen und den Kader aufräumen. Den Kader aufräumen, der von Degen und Stucki zusammengestellt wurde. Fast geht vergessen, dass Magnin mit dem gleichen Kader arbeiten musste.
Besser wurde seit dem Trainer-Wechsel gar nichts
Wenig FCB-DNA, unzufriedene Spieler – das ist keine gute Mischung.
Agbonifo, der an seiner Arroganz scheiterte, ist man los. Dass Otele nicht mehr happy war, wenn der Verein sechs, sieben, acht Wochen für einen Transfer braucht, ist logisch. Hinzu kommen Schönwetter-Spieler wie Duranville.

Fakt ist: Besser wurde seit dem Trainer-Wechsel überhaupt nichts. Die Siege holte man – ausschliesslich – gegen Teams von unten. Zürich, Lausanne, GC, Servette. Gegen die guten Mannschaften (Thun, FCSG, Sion) verliert der FCB oder spielt Remis (Lugano).
Dünnhäutig, keine sportliche Entwicklung, harte Hand mit Spielern
Mein Fazit zur siebenwöchigen Trainer-Ära Lichtsteiner: Die Mannschaft ist keinen Schritt weiter. Kuriose Aussagen in Interviews. Lichtsteiner ist sehr dünnhäutig, hat dafür eine harte Hand mit den Spielern.
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Er hat noch immer nicht alle Diplome. Sein Auftreten an der Seitenlinie ist alles andere als professionell. Wahrscheinlich wurde er darauf angesprochen: Hier ist eine leichte Aufwärtstendenz sichtbar.
Lichtsteiner ist in der Probezeit – bis zum Sommer hat er Job-Garantie. Auf die neue Saison hin muss es besser werden. Sonst nützen auch ihm alle Parolen nichts.
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Der nächste Gegner ist der FC Winterthur. Was sich im Vergleich zur letzten Saison geändert hat: Der FCB hat nicht mehr die Qualität, dass man Keller-Teams spielerisch auseinandernimmt. Selbstläufer gibt es nicht mehr.
Eine Einstellung wie gegen St.Gallen ist also verboten.
Erni Maissen
Zur Person:
Erni Maissen absolvierte 406 Spiele für den FCB, erzielte dabei 142 Tore.
Damit liegt er an dritter Stelle, einzig Marco Streller und Seppe Hügi schossen noch mehr Tore. In Basel ist der 68-Jährige bis heute eine Legende.
Bereits als Spieler hat der ehemalige Stürmer seine Meinung immer klar und deutlich gesagt.
Das wird sich auch in seiner Nau.ch-Kolumne nicht ändern. Versprochen!











