Wieviel Trinkgeld ist angemessen? Studie schafft Klarheit

Ob im Café oder bei einer Taxifahrt: In der Schweiz ist Trinkgeld verbreitet. Doch wieviel ist dort jeweils angemessen? Eine Studie der Bank Cler klärt auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Schweizerinnen und Schweizer geben gerne Trinkgeld – doch wieviel denn nun?
- Das hängt oft von Kontext und Betrag ab. So werden kleine Beiträge aufgerundet.
- Eine Studie der Bank Cler widmet sich dem Thema und fasst wichtigste Erkenntnisse zusammen.
«Wer Trinkgeld gibt, will es richtig machen – aber viele fragen sich: Wie viel ist eigentlich angemessen?», sagt Samuel Meyer, CEO der Bank Cler. Genau dieser Frage widmet sich eine neue Studie der Bank Cler gemeinsam mit der ZHAW School of Management and Law.
Die Ergebnisse zeigen: Mehr als vier von zehn Schweizerinnen und Schweizern sind bei der Trinkgeldvergabe gelegentlich oder häufig unsicher. Die Studie schafft Klarheit, wann Trinkgeld in der Schweiz als üblich gilt und welche Beträge als angemessen empfunden werden – vom Kaffee bis zum Coiffeurbesuch.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
• 5-10 Prozent Trinkgeld gelten im bedienten Restaurant als angemessen – je nach Betrag und Kontext.
• Bei kleinen Beträgen wird meist aufgerundet.
• Ein Kaffee für 4.90 Franken erhält weniger Trinkgeld als einer für 5.10 Franken.
• Die grösste Unsicherheit besteht bei Take-away, Foodtrucks und Autoservices.
• Junge Erwachsene sind beim Trinkgeld unsicherer und zurückhaltender.
• Die meisten Menschen entscheiden spontan statt nach fixer Regel.
Orientierung ist gefragt – besonders bei jungen Erwachsenen
Eine neue Studie der Bank Cler und der ZHAW School of Management and Law zeigt: Mehr als 40 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer sind gelegentlich oder häufig unsicher, ob und wieviel Trinkgeld in einer bestimmten Situation angebracht ist.
Besonders gross ist diese Unsicherheit dort, wo es keine historisch gewachsene Trinkgeldkultur gibt – etwa beim Take-away, am Foodtruck oder beim Autoservice.

Auffällig ist zudem der Unterschied zwischen den Generationen: Junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren sind beim Trinkgeld deutlich unsicherer als ältere Personen. 56,8 Prozent der jungen Erwachsenen geben an, zumindest gelegentlich unsicher zu sein, wieviel Trinkgeld angebracht ist. Interessant ist auch, dass in der Deutschschweiz die Unsicherheit (45 Prozent) höher ist als in der Romandie (32 Prozent) oder dem Tessin (36 Prozent).
Im bedienten Restaurant gelten 5 bis 10 Prozent als Richtwert
Fast drei Viertel der Befragten (73,7 Prozent) geben in bedienten Restaurants meistens oder immer Trinkgeld – das sind 11,9 Prozentpunkte mehr als bei der Vorjahresumfrage. Nur etwa jeder Zehnte gibt selten oder nie Trinkgeld.
Als informeller Richtwert für das Trinkgeld gelten je nach Kontext zwischen 5 und 10 Prozent der Rechnungssumme. Die Studie zeigt jedoch, dass die wenigsten Menschen das Trinkgeld exakt berechnen. Stattdessen wird meist spontan und intuitiv aufgerundet.

Gerade dieses Aufrunden prägt das Trinkgeldverhalten besonders stark. Kleine Unterschiede beim Rechnungsbetrag beeinflussen die Höhe des Trinkgelds überraschend deutlich: Ein Kaffee für 4.90 Franken wird häufig lediglich auf 5 Franken aufgerundet.
Kostet derselbe Kaffee hingegen 5.10 Franken, bezahlen viele 5.50 Franken oder sogar 6 Franken. Die Höhe des Trinkgelds unterliegt somit weniger mathematischen Regeln. Vielmehr entscheidend sind psychologische Schwellenwerte und Alltagssituationen.
Was gilt als angemessen? Beispiele aus dem Alltag
Wieviel Trinkgeld als angemessen gilt, hängt stark von der Situation und vom Rechnungsbetrag ab. 62,2 Prozent der Befragten entscheiden spontan und abhängig von der jeweiligen Situation, wieviel Trinkgeld sie geben möchten. Nur 10,3 Prozent orientieren sich konsequent an einem fixen Prozentsatz. Gesellschaftlicher Druck spielt laut den Befragten zwar eine kleinere Rolle, dennoch hat rund ein Drittel schon einmal mehr Trinkgeld gegeben als ursprünglich geplant, um nicht geizig zu wirken.
• Im bedienten Restaurant zeigt sich ein klares Muster: Bei einer Rechnung von rund 64 Franken werden durchschnittlich knapp 4 Franken Trinkgeld gegeben – das entspricht etwa 6 Prozent. Fast 44 Prozent runden auf 70 Franken auf, während 33 Prozent lediglich auf 65 Franken aufrunden. In gehobenen Restaurants liegt das Trinkgeld bei einer Rechnung von 112 Franken bei durchschnittlich 7 Franken – 45 Prozent runden auf 120 Franken auf. Im Sternerestaurant steigt der Betrag bei einer Rechnung von 245 Franken zwar auf durchschnittlich 13.30 Franken, prozentual fällt das Trinkgeld mit 5,4 Prozent jedoch leicht tiefer aus.
• Auch bei Essenslieferungen gilt Trinkgeld für viele als üblich: Bei einer Bestellung von rund 30 Franken werden durchschnittlich 1.60 Franken bis 1.90 Franken als angemessen empfunden. Für einen Coiffeurbesuch von 65 Franken gelten meist rund 5 Franken Trinkgeld als passend, bei einer Stadtführung für 36 Franken rund 2 Franken.
• Deutlich grösser ist die Unsicherheit hingegen beim Autoservice. Fast jede zweite Person empfindet den Trinkgeldentscheid dort als schwierig. Nur 3 von 10 Personen finden bei einer Rechnung von 380 Franken ein Trinkgeld überhaupt angebracht – und wer gibt, rundet mehrheitlich auf 400 Franken auf.
Eine umfassende Übersicht der Beispiele aus dem Alltag sind hier zu finden.
Bargeldzahlungen nehmen ab, aber Barzahlende bleiben grosszügiger
Trinkgeld wird zwar noch am häufigsten bar gegeben, doch der Anteil ist innerhalb eines Jahres von 69 Prozent auf 48 Prozent zurückgegangen. Bemerkenswert: Barzahlende halten in fast allen untersuchten Szenarien ein höheres Trinkgeld für angemessen als digital Zahlende. Dies liegt nicht am Rundungsverhalten – auch bei digitalen Zahlungen wird meist auf einen runden Gesamtbetrag aufgerundet.

Fazit
Die Studie macht deutlich: Die Trinkgeldnorm ist in der Schweiz trotz des digitalen Wandels stark ausgeprägt. Vielen Menschen fehlen jedoch Anhaltspunkte für konkrete Situationen.
«Wer Trinkgeld gibt, möchte Wertschätzung zeigen – und gleichzeitig sicher sein, dass der Betrag passt. Unsere Studie macht sichtbar, was in der Schweiz heute üblich ist, und schafft damit mehr Klarheit im Alltag» fasst Samuel Meyer, CEO der Bank Cler, zusammen.
Weitere Informationen:
Über die Studie
Die Umfrage wurde im Auftrag der Bank Cler durch die ZHAW School of Management and Law unter der Leitung von Dr. Marcel Stadelmann und Janice Huber durchgeführt. Die repräsentative Stichprobe umfasst N = 1051 Personen, gewichtet nach Geschlecht, Alter und Wohnregion, und ist repräsentativ für die 16- bis 75-jährige Schweizer Bevölkerung. Die Erhebung erfolgte über das Online-Panel «meinungsplatz.ch» im Frühjahr 2026. Die 27 Befragten, die angaben, nie Trinkgeld zu geben, wurden aus dem weiteren Frageverlauf ausgeschlossen (n = 1024). Mittels eines experimentellen Designs wurden die Befragten vier Gruppen zugeteilt und gebeten, für verschiedene Alltagssituationen den angemessenen Gesamtbetrag inklusive Trinkgeld anzugeben.






