Stadt Basel

    Basler Ladeninhaberin kämpft wegen Baustelle um Existenz

    Yannick Stay
    Yannick Stay

    Basel,

    Ein Pralinengeschäft in Basel leidet unter niedrigem Umsatz. Die Inhaberin sieht vor allem die Grossbaustelle direkt vor der Tür als hauptverantwortlich.

    missionsstrasse basel
    Das Atelier Eve in der Basler Missionsstrasse. Seit Januar wird diese erneuert. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • In Basel wird derzeit die Missionsstrasse komplett erneuert.
    • Geschäfte und Läden leiden unter der Baustelle und monieren, dass die Kundschaft ausbleibt.
    • Eine Inhaberin hat nun via Social Media einen emotionalen Appell veröffentlicht.
    • Darin schreibt sie etwa: «Ich habe es satt, so zu tun, als wäre alles in Ordnung.»

    Veronika Eitenaier ist verzweifelt. Vor ihrem Pralinengeschäft in der Nähe des Grossbasler Spalentors befindet sich bereits seit Monaten eine enorme Baustelle. Die Missionsstrasse wird erneuert.

    Gemäss Kanton müssen Kanalisation, Abwasserschächte und Leitungen für Fernwärme, Gas, Wasser und Strom saniert werden. Ebenso werde die Verkehrssicherheit erhöht.

    Im Januar starteten die Arbeiten. Für Eitenaier bedeutete dies einen dramatischen Einschnitt. Denn: Seitdem bleiben die Kundinnen und Kunden aus.

    basel missionsstrasse
    In ihrem Geschäft verkauft Veronika Eitenaier von Hand gemachte Pralinen. - zVg

    Erst im November letzten Jahres eröffnete sie ihr Geschäft. Mittlerweile befürchtet sie jedoch, den Laden schon wieder aufgeben zu müssen. Mit einem emotionalen Social-Media-Appell hat sich die gelernte Chocolatière nun an die Öffentlichkeit gewendet.

    «Die Menschen meiden diese Strasse»

    «Ich bin wütend. Ich bin erschöpft. Und ja, ich bin verzweifelt», so Eitenaier in ihrem Beitrag. «Ich habe es satt, so zu tun, als wäre alles in Ordnung.»

    atelier eve basel
    «Ich habe keine vier Jahre. Keine vier Monate. Nicht einmal vier Wochen.» So macht Veronika Eitenaier in ihrem Post darauf aufmerksam, wie dringend ihr Geschäft Unterstützung benötigt. - Screenshot Instagram / @atelierevebasel

    Im Post äussert sie deutlich, was aus ihrer Sicht die Ursache dafür ist: «Weil die Menschen diese Strasse meiden.»

    Es gebe immer noch Menschen aus dem Quartier, die erst jetzt die Existenz ihres «Atelier Eve» wahrnehmen. Obwohl der Laden schon fast ein ganzes Jahr offen ist.

    Ihre Ersparnisse sowie einen erheblichen Teil ihrer Altersvorsorge habe sie bereits investiert, wie sie gegenüber Nau.ch weiter ausführt. «Auch meine letzten privaten finanziellen Reserven sind inzwischen weitgehend aufgebraucht.»

    Bei Abschluss des Mietvertrags sei sie über die Bauarbeiten nicht informiert gewesen. Über Monate hinweg habe es bei ihr «enormen Baulärm, Staub, Erschütterungen, eingeschränkte Sichtbarkeit und erschwerte Zugänge» gegeben.

    missionsstrasse basel
    Der Anblick in der Missionsstrasse ist eher trist als einladend. - Nau.ch

    Der einzige Hoffnungsschimmer sei im April aufgetreten. Damals berichtete schon die «Basler Zeitung» über die Situation.

    Daraufhin seien viele Menschen gezielt ins «Atelier Eve» gekommen. «An einzelnen Tagen erzielte ich Umsätze von rund 1600 Franken. Das war für mich ein wichtiger Beweis, dass Interesse an meinem Konzept besteht.»

    Im Sommer wurde es wieder schlimmer

    Danach habe sich die Lage aber wieder deutlich zugespitzt. Während der Sommerhitze sei asphaltiert worden. «An manchen Tagen kamen nur ein oder zwei Kunden.»

    Selbst der Gelato-Verkauf machte es nicht viel besser. «Im August gab es Tage mit lediglich 48 Franken Umsatz.» Zum Vergleich: Laut eigenen Angaben muss die Geschäftsinhaberin 3300 Franken Miete im Monat berappen.

    Veronika Eitenaier sagt, sie hat mit Blick darauf bereits ein Schlichtungsverfahren eingeleitet. Da sie von den Bauarbeiten nichts gewusst habe, wünsche sie von der Vermieterschaft eine Mietzinsreduktion.

    «Der Standort wurde mir als lebendige Strasse mit einer Tramhaltestelle unmittelbar vor dem Geschäft präsentiert.» Der Ausgang des Verfahrens ist noch offen.

    Deshalb gibt es keine Entschädigung

    Aktuell ist die Missionsstrasse wieder im Einbahnverkehr befahrbar. Die frühere Laufkundschaft sei jedoch nicht zurückgekehrt.

    basel missionsstrasse
    Autos und Trams können auf der Missionsstrasse wieder verkehren. Die Baustelle bleibt dennoch auf den Trottoirs allgegenwärtig. - Nau.ch

    Vonseiten des Kantons bekommt die Chocolatière keinen finanziellen Ausgleich.

    Daniel Hofer, Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), erklärt auf Anfrage von Nau.ch: «Grundsätzlich bestehen gemäss Schweizer Rechtsprechung keine Entschädigungsansprüche bei normalen Strassenbauarbeiten, wie jenen in der Missionsstrasse.»

    Dies liege daran, dass Bund und Kanton nicht in eigenem Interesse handeln würden, so Hofer. Sie sorgten für eine funktionierende, öffentliche Infrastruktur.

    Die schwierige Situation von Läden und Geschäften erkennt das BVD durchaus an: «Baustellen können für Unternehmen eine grosse Belastung sein», sagt Hofer.

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    Mit speziellen Wegweisern versucht der Kanton, die potenzielle Laufkundschaft in die Missionsstrasse zu locken. - Nau.ch

    Aber: «Gleichzeitig sind auch diese darauf angewiesen, dass städtische Infrastrukturen wie Strassen und Leitungen funktionieren. Dafür braucht es Bauarbeiten.» Man baue so verträglich wie möglich – ohne Einschränkungen, Lärm und Staub ginge es aber nicht.

    Immerhin liegt der Kanton aktuell gemäss eigener Aussage im Zeitplan mit seinen Bauarbeiten. Es wird davon ausgegangen, dass die Missionsstrasse bis im kommenden Sommer vollständig erneuert ist.

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    Seit dem 28. September verkehren wieder Trams durch die Missionsstrasse. - Nau.ch

    Die Absperrungen an der Kreuzung mit der Pilgerstrasse, wo Veronika Eitenaiers Laden liegt, seien aktuell «auf ein Minimum» reduziert.

    Kommt Hilfe aus der Politik?

    In der Basler Politik sind Baustellen und ihr Einfluss auf das Gewerbe bereits ein Thema. Hierzu ging etwa im September 2025 eine Motion von Alex Ebi (LDP) im Grossen Rat ein.

    Diese wurde von zahlreichen weiteren Grossräten mitunterzeichnet. Sie fordert einen Unterstützungsfonds für Unternehmen, die durch Baustellen erheblich wirtschaftlich beeinträchtigt werden. Die Regierung wurde bereits vom Parlament beauftragt, dazu eine Vorlage auszuarbeiten.

    Daniel Hofer vom BVD schreibt dazu, man gehe davon aus, nächstes Jahr dem Regierungsrat einen Vorschlag unterbreiten zu können. «Sollten Regierungsrat und Grosser Rat dann zeitnah zustimmen, könnte die erste Unterstützung frühestens 2028 ausgezahlt werden», so Hofer.

    Basel missionsstrasse
    Ganz ohne Lärm kann eine Baustelle leider nicht auskommen. - Nau.ch

    Doch wäre es für das «Atelier Eve» dann bereits zu spät? Auch Veronika Eitenaier ist bekannt, dass Unterstützung gefordert wird.

    Sie ist bei der Geschwindigkeit dieser Hilfen jedoch skeptisch: «Es könnte noch Jahre dauern, bis entsprechende Lösungen beschlossen und umgesetzt werden.»

    Eitenaier sagt, für ihr kleines Unternehmen sei das keine Perspektive, wenn es schon jetzt kaum die Kosten decken könne. «Ich weiss nicht einmal, wie ich die nächsten Monate finanziell überstehen soll.»

    Die Ladeninhaberin würde sich über eine schnelle, unkomplizierte und individuelle Hilfe für Kleinunternehmen freuen. «Dabei geht es mir keineswegs darum, einfach Geld geschenkt zu bekommen», betont sie.

    Sollten baustellengeplagte Unternehmen mehr Unterstützung erhalten?

    Selbst in den Raum wirft sie ein zinsfreies Überbrückungsdarlehen, welches schrittweise zurückbezahlt werden könnte.

    Auch eine professionelle betriebswirtschaftliche Beratung hält sie für sinnvoll. Die Situation sei nämlich nicht nur finanziell belastend.

    Die positive Resonanz auf den BaZ-Artikel im Frühjahr sowie jetzt nach dem Instagram-Beitrag zeige, dass das Angebot geschätzt wird. «Das berührt mich unglaublich und gibt mir neue Kraft.»

    Zur harten Realität von Eitenaier gehört aber auch: «Ich kann nicht dauerhaft davon leben, dass alle paar Monate ein Medienbericht erscheint und für einige Tage neue Kunden bringt. Ich wünsche mir deshalb, dass die Verantwortlichen verstehen, wie dringend die Situation für betroffene Kleinunternehmen ist. Denn wenn ein Geschäft erst einmal geschlossen ist, kommt jede Hilfe zu spät.»

    Kommentare

    User #4562 (nicht angemeldet)

    Das Gewerbe, welches durch die Baustellen finanzielle Probleme hat, geht der linken Basler Regierung am Arsch vorbei. Sie sorgt sich vor allem um diejenigen, die nicht arbeiten. Schlussendlich sind das die linken Wähler.

    User #1773 (nicht angemeldet)

    Meiner Meinung nach steht ihr mindestens eine Entschädigung vom Vermieter zu und eine zusätzliche Mietminderung. Sowas geht garnicht..

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