Stadt Basel

Kind (3) entläuft in Basel aus Zoo – Fremde schiessen gegen Eltern

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Basel,

Ein Kind (3) entläuft aus dem Basler Zoo und es hagelt Kritik an der betroffenen Mutter. «Deplatziert», findet Expertin Kathrin Buholzer und erklärt, weshalb.

Kind Basel Polizei
Das Kind (3) konnte wohlbehalten seiner Mutter übergeben werden. - Instagram/@kanstonspolizei_baselstadt

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Dreijähriger nahm am Sonntag beim Basler Zoo alleine den Zug.
  • Passagiere kontaktierten die Polizei. Diese konnte den Buben gesund zurückbringen.
  • Die Kritik an den Eltern auf Social Media lässt nicht lange auf sich warten.
  • Eine Erziehungs-Expertin erklärt, weshalb das weder nützt noch angebracht ist.

«Solche Momente bleiben.»

Mit diesen Worten berichtete die Kantonspolizei Basel-Stadt über den «kleinen Abenteurer», den sie am Sonntag wohlbehalten der Mutter zurückgeben konnte.

Der Bub war aus dem Basler Zoo, dem Zolli, entlaufen, in einen Zug gestiegen und dort von aufmerksamen Passagieren entdeckt und gemeldet worden. Auch die Mutter hatte den Notruf gewählt.

Viel mehr ist zum Vorfall nicht bekannt.

Der entsprechende Post auf Instagram und Facebook generierte viele Herzen und positive Kommentare.

Es wurde aber auch sofort Kritik an den Eltern geäussert. «Schrecklich, wie Eltern das überhaupt zulassen konnten. War der Akku des iPad leer?», fragt ein Mann unter dem Post provokant.

Eine Frau schreibt: «Ich verstehe auch nicht, wie ein Kind unbemerkt so weit kommt.»

Die Kapo reagiert und antwortet: «Egal ob im Zolli, an der Fasnacht oder beim Einkaufen – entscheidend ist, dass Passantinnen und Passanten aufmerksam waren, richtig reagiert und die Polizei informiert haben.»

Mittlerweile sind diese Kommentare gelöscht.

«Unnötig und deplatziert»

Von Nau.ch auf die Reaktionen in den sozialen Medien angesprochen, erklärt die Kantonspolizei Basel-Stadt, sie plädiere für einen respektvollen Umgang miteinander. «Wir erachten es als wichtig, dass Sachverhalte nicht vorschnell bewertet werden – insbesondere dann, wenn die Faktenlage unvollständig ist.»

In solchen Fällen sei Zurückhaltung bei öffentlichen Kommentaren im Sinne eines rücksichtsvollen Miteinanders wünschenswert, so Kapo-Mediensprecher Rooven Brucker.

In den Augen von Elternblog-Inhaberin Kathrin Buholzer sind solche Kommentare «unnötig» und «deplatziert.» Denn: «Der Leser weiss ja nicht, was genau passiert ist.»

Bist du als Kind auch mal verloren gegangen?

Kathrin Buholzer ist Mutter zweier erwachsener Kinder und hat während zwölf Jahren ihren Elternplanet-Blog und ihre Community auf Facebook mit 60'000 Followern geführt und bespielt.

Natürlich könne es sein, dass die Eltern einen kurzen Moment unaufmerksam waren, sagt sie. «Aber alle Eltern wissen, wie schnell das gehen kann.» Der Alltag mit Kindern sei turbulent, es passiere häufig etwas Unvorhersehbares.

Es fällt ein Becher um – die Mutter putzt den Boden und das Kind läuft derweil weg. Ein Kind verletzt sich – die Mutter muss eine blutige Wunde verarzten und das andere Kind läuft derweil weg. Die Arbeitskollegin ruft an, sie falle morgen aus – die Mutter muss den Bürotag anders organisieren und das Kind läuft derweil weg.

Kind rennt
Ein Kind dreht sich um, entdeckt etwas und rennt dem entgegen. Und schon ist es passiert. (Symbolbild) - pexels

Oder die Frauenärztin gibt telefonisch eine wichtige Info zu einer Untersuchung durch – die Mutter ist nervös und muss sich konzentrieren, derweil läuft das Kind weg.

Alles Gründe, weshalb man schnell abgelenkt ist und vielleicht auch aufs Handy schaut. Und das Kind geht in dieser Zeit seinem Instinkt nach.

«Kinder in diesem Alter sind sorglos, gedankenlos, neugierig und leben im Moment», führt die Lehrerin aus. Sie könnten auch keine Distanzen abschätzen. «Für das Kind ist es deshalb kein falsches Verhalten, wenn es wegläuft.»

Alle müssen Augen und Ohren offen halten

Problematisch sind in den Augen von Kathrin Buholzer aber nicht nur solche Kommentare von Unbeteiligten, sondern auch der Fakt, dass die Polizei dies in den sozialen Medien geteilt hat. «Klar, es ist eine Erfolgsmeldung. Aber ich finde, man muss sich bei vulnerablen Personen wie Kindern immer genau überlegen, ob und wie man das kommuniziert.»

Entscheidet man sich dafür, sei es wichtig, die Kommentare in den ersten 24 bis 48 Stunden konsequent zu moderieren, so Buholzer. «Denn wenn so etwas in der falschen Gruppe landet, ist die Hölle los.»

Kommentierst du Sachverhalte, die du nicht genau kennst?

So oder so: «Die Eltern wissen sicher am besten, was schiefgelaufen ist.» Und am Schluss gehe es darum, zu schauen, was passiert sei und zu überlegen, was man für ein anderes Mal besser machen könne.»

Jeder Kommentar nütze da wenig, denn selber habe man als Eltern wohl schlimme Minuten erlebt.

Kathrin Buholzer betont, dass wir als Gesellschaft aufmerksam sein und unsere Augen und Ohren offenhalten müssten. Ist etwas ungewöhnlich – zum Beispiel ein kleines Kind, das allein unterwegs ist – solle man Hilfe holen und nicht wegschauen.

Weiterlesen

12 Interaktionen
Minus von 6,6 Prozent
zoo
16 Interaktionen
Basel

Mehr aus Stadt Basel

fc basel
4 Interaktionen
Kritik
11 Interaktionen
Basel
Ariel Bachelorette
10 Interaktionen
Gerüchteküche brodelt
fc basel
2 Interaktionen
Sportchef weg