Vorbilder und ihre Farben: Helen Frankenthaler im Kunstmuseum Basel

Das Kunstmuseum Basel zeigt die bisher umfassendste Werkschau zur amerikanischen Malerin Helen Frankenthaler (1928-2011) in Europa. Ein Höhepunkt ist die Begegnung der Gemälde mit ihrer Vorbildern aus mehreren Jahrhunderten.

Drei Häkchen sind bei Piet Mondrian zu sehen. Frankenthaler entdeckte sein Gemälde bei ihrem Besuch im Basler Kunstmuseum 1974 und war begeistert. Was daraus geworden ist, hängt neben dem Vorbild: Mondrian übersetzt in die Farbfeldmalerei der New Yorkerin.
Die Ausstellung in Basel zeigt mehrere solche Gegenüberstellungen. Neben einem Seerosen-Gemälde von Claude Monet hängt Frankenthaler Übertragung in ihren abstrakten Expressionismus und auch die April-Stimmung von André Derain übersetzte die Künstlerin in leuchtenden Farben.
Bei zahlreichen Europareisen liess sich Frankenthaler von den grossen Namen unterschiedlichster Epochen und deren individuellen Farbtönen inspirieren, darunter auch Gustave Courbet, Tizian und Marie Laurencin und die Goldgrundmalerei.
Bei ihren frühen Reisen hatte Frankenthaler weder eine Kamera noch farbige Kataloge zur Verfügung. Handnotizen in bilderlosen Ausstellungsführern mussten ausreichen, um sich die Vorbilder zu merken.
«Wenn ich sie in einem Wort beschreiben müsste, wäre das: Spass», sagte Lise Motherwell. Die Pflegetochter von Helen Frankenthaler war beim Medienrundgang in Basel zu Besuch und erzählte von Kindheitserinnerungen an die lebensfrohe Künstlerin. Sie hoffe, dass die Ausstellung nun auch die heutigen jungen Menschen inspiriere.
Über fünfzig Werke aus sechs Jahrzehnten sind in Basel zu sehen. Mit dabei sind die Gemälde der Soak-Stain-Technik aus den frühen 1950er-Jahren. Helen Frankenthaler löste damit als 23-Jährige ein «kleine Revolution oder ein Erdbeben in der Kunstpraxis» aus, wie die Kuratorin Anita Haldemann sagte.
Die junge Künstlerin goss Öl- und später Acrylfarbe auf ungrundierte Leinwände. Dabei arbeitete sie nicht neben, sondern auf dem Gemälde. Mit Schwämmen, Bürsten und vollem Körpereinsatz bearbeitete sie die Leinwände und spielte mit der Wirkung der Farben.
Den Anstoss für die Ausstellung gab 2024 eine Schenkung der Helen Frankenthaler Foundation, wie Museumsdirektorin Elena Filipovic sagte. Das Werk «Riverhead» (1963) fand den Weg nach Basel. Es schloss eine Lücke in der Sammlung amerikanischer Kunst. Zugleich war es die Initialzündung für die Ausstellung zum Œuvre Frankenthalers, die vom 18. April bis 23. August 2026 zu sehen ist.




