Das Kunstmuseum Basel würdigt eine Schweizer Pionierin

Künstlerfreundin, Fotografin, Cabriolet-Fan und Bergsteigerin: Die neue Ausstellung im Kunstmuseum Basel widmet sich dem aussergewöhnlichen Leben und der Sammlung von Gertrud Dübi-Müller – unter anderem mit Werken von Van Gogh und Hodler.

Die Solothurner Sammlerin selbst gehört buchstäblich zum Inventar des Museums. Grossformatig zu sehen ist sie im Treppenhaus des Hauptbaus in einem blauen Kleid – sie stand einst für Ferdinand Hodlers «Blick ins Unendliche» Modell. «Sie ist schon lange Teil der Sammlung – nun war es an der Zeit, ihren Beitrag mit einer Ausstellung zu würdigen», sagte Museumsdirektorin Elena Filipovic am Donnerstag vor den Medien.
Es handelt sich um die erste umfassende Ausstellung zu Gertrud Dübi-Müller (1888-1980). Zu sehen sind im Neubau rund achtzig Werke aus ihrer Sammlung wie auch Fotografien, bei denen sie selbst hinter der Kamera stand, etwa zu Besuch bei befreundeten Künstlerinnen und Künstlern.
Dieser Freundeskreis lässt sich sehen: Hodler, der die Sammlerin in 17 Bildnissen verewigte, Giovanni Giacometti, Alice Bailly und Cuno Amiet gehörten dazu. Selbstredend machen diese Namen einen guten Teil der Ausstellung aus.
Eine Zwanzigjährige erwirbt einen Van Gogh
Zu sehen sind auch Werke von Paul Cézanne, Gustav Klimt und Vincent van Gogh. Dübi-Müller war gerade einmal 20 Jahre alt, als sie ein Gemälde von Letzterem erwarb: Van Goghs Porträt des Psychiatrie-Wächters Charles-Elzéard Trabuc. Der grosse Niederländer ist auch als Einfluss im Werk ihrer Freunde erkennbar. Etwa dann, wenn zwei Porträts der Sammlerin an einer ochsenblutroten Wand gleich nebeneinander hängen – das eine von Giacometti, das andere von Amiet.
Um die Ausstellung zusammenzustellen, war viel Recherchearbeit nötig – schliesslich sind die Werke aus der Sammlung weit verstreut, wie die Kuratorin Géraldine Meyer sagte. Ein Vorteil sei gewesen, dass die Familie den schriftlichen Nachlass zur Verfügung stellte. Postkarten, Briefe und Fotos ihrer Cabriolet-Fahrten über Bergpässe und hin zu Ateliers und Kunstmetropolen ziehen sich durch die Ausstellungsräume.
Somit dokumentieren die Exponate nicht nur den Werdegang der Sammlung und der gezeigten Künstler, sondern auch das Leben von Dübi-Müller. Im frühen 20. Jahrhundert trat sie als Pionierin in Bereichen auf, die für Frauen damals verschlossen waren. So war sie die erste Autofahrerin im Kanton Solothurn, und als Bergsteigerin erklimmte sie Gipfel.
Die Ausstellung «Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet. Die Sammlerin und Pionierin Gertrud Müller-Dübi» ist vom 19. September 2026 bis 7. Februar 2027 im Kunstmuseum Basel zu sehen.





