Stadt Basel

Expertin: «Pollensaisons vieler Pflanzen haben sich verstärkt»

Yannick Stay
Yannick Stay

Basel,

Die Pollensaison ist in vollem Gange – auch in Basel. Eine Expertin vom Swiss TPH in Allschwil erklärt, ob dieses Jahr ein intensiverer Frühling bevorsteht.

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Die Zeit der Pollen ist wieder da – für Betroffene mit unangenehmen Folgen. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Frühling hat sich dieses Jahr bereits früh von seiner besten Seite gezeigt.
  • Ein unangenehmer Nebeneffekt: Heuschnupfen sorgt für juckende Augen und verstopfte Nasen.
  • Nau.ch sprach mit Pollen-Expertin Marloes Eeftens über die diesjährige Pollensaison.

Die Basler Fasnacht fiel dieses Jahr auf Ende Februar. Trotzdem fanden die «drei scheenschte Dääg» bei angenehmen, frühlingshaften Temperaturen statt.

Nicht für alle ist dies jedoch ausschliesslich Grund zur Freude. Denn auch der Pollenflug ist somit bereits auf hohem Niveau.

Steht Personen mit Heuschnupfen also ein langer Frühling mit verstopfter Nase und juckenden Augen bevor?

Diese und weitere Fragen hat Nau.ch Pollen-Expertin Marloes Eeftens vom Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) gestellt.

Nau.ch: Frau Eeftens, die Temperaturen waren schon Ende Februar sehr frühlingshaft mit sonnigem Wetter. Ist die Pollensaison dieses Jahr früher gestartet, und wann würde sie in der Regel beginnen?

Marloes Eeftens: Eigentlich gibt es nicht die eine «Pollensaison». Denn jede Pflanzenart hat ihre eigene typische Zeit, in der sie zu blühen beginnt und wieder aufhört. Je nach dem, auf welche Pollen man allergisch reagiert, kann es sein, dass man diese bereits vor mehreren Wochen in der Luft bemerkt hat.

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Prof. Dr. Marloes Eeftens ist am Swiss TPH in Allschwil tätig. - zVg

Ich selbst bin zum Beispiel allergisch gegen Haselpollen. Diese gehören zu den ersten Pollen im Jahr, und ich hatte bereits Anfang Februar Beschwerden. Frühblühende Bäume wie Hasel und Erle fangen oft schon im Dezember oder Anfang Januar an, ihre Pollen freizugeben. Diese Arten haben ihre Saison 2026 inzwischen grösstenteils abgeschlossen, sind aber auch jetzt noch da.

Danach folgen unter anderem Esche und Birke. Normalerweise beginnt deren Blüte etwa Mitte bis Ende März. Aufgrund des warmen und sonnigen Wetters in diesem Jahr sind sie jedoch früher dran – die Esche hat bereits früher mit der Pollenfreisetzung begonnen.

Zur Person

Prof. Dr. Marloes Eeftens ist Umweltepidemiologin am Swiss Tropical and Public Health Institute in Allschwil BL und hat viel zu Pollen und deren Gesundheitseffekten geforscht. Sie leitet die Forschungsgruppe «Sensoring and Environmental Epidemiology».

Nau.ch: Kann in diesem Frühjahr mit einer besonders intensiven Saison gerechnet werden?

Eeftens: In einer wissenschaftlichen Studie von vor einigen Jahren sowie in einem Factsheet 2024 haben wir festgestellt, dass sich die Pollensaisons vieler Pflanzenarten tatsächlich verstärkt haben.

Über das ganze Jahr betrachtet messen wir heute mehr Pollen von Hasel, Birke, Hainbuche, Eiche, Buche sowie von «Urticaria» – beispielsweise Brennnessel oder Hanf – als noch vor drei Jahrzehnten.

hasel heuschnupfen
Blütenstände einer Hasel. - keystone

Allerdings schwankt die Pollenbelastung auch stark von Jahr zu Jahr, weil sie sehr vom jeweiligen Wetter abhängt. Insgesamt sehen wir zwar einen steigenden Trend bei vielen Pollenarten. Aber ob die aktuelle Saison insgesamt besonders intensiv wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen – für viele Pollenarten stehen wir erst am Anfang.

Nau.ch: Wie ist die Lage in der Region Basel?

Eeftens: In Basel gab es dieses Jahr bereits Tage mit sehr hohen Pollenkonzentrationen. Grundsätzlich können zwischen einzelnen Städten kleine Unterschiede auftreten.

Wenn es in Basel zum Beispiel etwas wärmer ist, kann die Pollensaison dort ein bis zwei Tage früher beginnen als woanders. Diese Unterschiede sind jedoch meist relativ gering.

Leidest du an Heuschnupfen?

Deutlich grösser werden solche Unterschiede, wenn man Regionen mit stärker unterschiedlichen Temperaturen vergleicht – etwa zwischen Basel und dem Tessin oder zwischen Basel und Hochgebirgsregionen, wo es deutlich kälter ist.

Die aktuelle Pollensituation ändert sich allerdings ständig und hängt stark vom Wetter ab. Deshalb kann eine Einschätzung schnell veraltet sein, noch bevor ein Artikel veröffentlicht wird. Sowohl die Freisetzung der Pollen als auch ihre Verbreitung durch den Wind oder ihr Auswaschen durch Regen werden stark von den jeweiligen Wetterbedingungen beeinflusst.

Die Schweiz ist jedoch sehr gut aufgestellt, um die Pollenbelastung zu überwachen: An vielen Standorten werden Pollen in Echtzeit gemessen. Diese Daten können beispielsweise in der App «Pollen-News» des Schweizer Allergiezentrums «aha!» eingesehen werden, die die aktuellen Messwerte übersichtlich darstellt.

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Der Frühling ist da. Und mit ihm auch der Heuschnupfen. - keystone

Nau.ch: Gehen Sie davon aus, dass die Pollensaison dann auch früher endet?

Eeftens: Das ist möglich, aber nicht zwangsläufig der Fall. Innerhalb einer Pollensaison kann es auch zu einer Art «Pause» kommen.

Nach einigen sehr intensiven Tagen folgen beispielsweise durch regnerisches Wetter mehrere Tage mit sehr niedrigen Konzentrationen. Wenn danach wieder sonnige Bedingungen einsetzen, kann die Pollenbelastung der gleichen Art erneut ansteigen.

Ausserdem steht für viele allergene Arten ein wichtiger Teil der Saison noch bevor. Die Gräserpollensaison beginnt voraussichtlich erst Ende April oder Anfang Mai. Daher kann ich leider noch längst nicht sagen, dass die Beschwerden bald vorbei sein werden.

Wie lange die Saison insgesamt dauern wird, hängt stark vom Wetter in den kommenden Monaten ab. Aktuell lässt sich das noch nicht zuverlässig vorhersagen – weiter in die Zukunft schauen als die Wetterprognosen kann ich leider auch nicht.

Nau.ch: Hat sich auch verändert, welche Art von Pollen durch die Luft fliegen?

Eeftens: Mit dem Klimawandel wird die Schweiz zu einem zunehmend attraktiven Lebensraum für mehrere stark allergene Pflanzenarten. Die Ausbreitung von Arten wie Beifuss und Ambrosia wurde bereits dokumentiert, allerdings geschieht dies nicht plötzlich.

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Ambrosia-Pflanzen treten aufgrund des Klimawandels vermehrt auch in der Schweiz auf. - keystone

Es handelt sich um einen allmählichen Prozess, der sich langsam über die Zeit entwickelt. Daher unterscheidet sich die Situation in diesem Jahr nicht grundsätzlich von der im vergangenen.

Wichtig ist jedoch zu beachten, dass einige dieser invasiven Arten in der Schweiz aktiv und mit recht gutem Erfolg bekämpft werden. Würden diese Massnahmen eingestellt, würde sich die Ausbreitung vermutlich deutlich schneller fortsetzen.

Nau.ch: Was kann – gerade in einer Stadt wie Basel – unternommen werden, um die Belastung für Betroffene zu lindern?

Eeftens: Es wäre wichtig, das Allergiepotenzial stärker zu berücksichtigen, wenn Bäume im städtischen Raum gepflanzt werden.

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Bäume auf dem Münsterplatz in Basel. (Archiv 2019) - keystone

Bäume sind enorm wichtig: Sie helfen gegen Hitzeinseln in Städten, spenden Schatten, fördern die Biodiversität und machen Städte lebenswerter und widerstandsfähiger. Dennoch werden in vielen Städten weiterhin häufig stark allergene Arten wie Birken gepflanzt.

Eine grössere Vielfalt bei der Auswahl der Baumarten könnte hier viele Co-Benefits bringen – sowohl für die Gesundheit der Bevölkerung als auch für die ökologische Qualität unserer Städte. Glücklicherweise wird dieser Ansatz inzwischen immer stärker berücksichtigt.

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