«Fasnachts-Notfallset»: Apotheke höischt Geld für Gratis-Müsterli

Ein Säckli mit allem drin – in einer Baselbieter Apotheke gibt's das für 3.50 Franken. Ein Schnäppchen! Aber ist das erlaubt?

Die Tage während der Fasnacht können lang sein – die Nächte noch länger. Da kann es nicht schaden, ein paar Vitamin-Pülverchen und vielleicht auch ein Mittel gegen Erschöpfung und sicher Magnesium für den Kater dabei zu haben. Und ein Kondom, für alle Fälle.
Je nachdem, was man isst oder trinkt, ist ein Medikament gegen den sauren Magen nicht schlecht. Für die wunden Füsse in den Holz-Zoggeli sollte man Pflaster und Salbe einpacken.
Das alles und noch viel mehr findet man in den Notfallsets, die die Central Apotheke in Sissach BL extra für die Fasnacht zusammengestellt hat. Für 3.50 Franken. Ein Schnäppchen!

Das denkt sich auch eine «OnlineReports»-Leserin und kauft das Säckli prompt. Zu Hause merkt sie, dass es sich bei allen Produkten um Gratismuster handelt. Es gehe ihr nicht um das Geld, sagt sie. «Aber dürfen Apotheken Müsterli verkaufen?»
Nein, schreibt die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) auf Anfrage von «OnlineReports». Gemäss Verordnung über die Arzneimittelwerbung zählen Arzneimittelmuster als Publikumswerbung. Und dürften nur gratis abgegeben werden. Der Verkauf der Notfallsets sei demnach nicht erlaubt «und zu stoppen».
Ähnliche Aktion auch im Sommer
Dass Muster nicht verkauft werden dürfen, ist der Central Apotheke in Sissach sehr wohl bewusst. «Wir verlangen ja auch nichts für die Produkte. Die 3.50 Franken sind ein Unkostenbeitrag fürs Bereitstellen und für die Beutel», sagt eine Mitarbeiterin. Zudem würden die Kundinnen und Kunden darüber informiert, dass es sich um Gratismuster handelt.
Die Central Apotheke in Sissach bietet das Fasnachts-Notfallset schon seit mehreren Jahren an, wie die Mitarbeiterin sagt. Ein ähnliches Säckli gebe es auch für die Sommerferien. «Bis jetzt war dies nie ein Problem.»
Ob die VGD etwas gegen die Apotheke unternehmen wird, ist offen. Aus Gründen des Datenschutzes nehme man hierzu keine Stellung, heisst es nur.
Im Dorf und in der Branche sorgt die Aktion jedenfalls für Kopfschütteln. Das gehe gar nicht, sagt eine Drogistin, die in einer Apotheke in Basel arbeitet. «Das wäre ein super Sujet für unser Schyssdräckzüügli.» Schade, seien die Vorbereitungen schon zu weit fortgeschritten.
Doch vielleicht bekommt ja der Chluuriredner noch Wind davon.
***
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst im Basler Newsportal «OnlineReports» publiziert.







